
Internationaler Frauentag 2026: Warum braucht es immer noch Gleichberechtigung?
In Kürze:
- Nur 9,9% der Frauen sind Hauptverdienerin in der Paarbeziehung
- Frauen arbeiten nach Familiengründung deutlich mehr in Teilzeit als Männer
- Frauen sind im Alter häufiger armutsgefährdet als Männer
Am 8. März ist Internationaler Frauentag. Der Aktionstag macht weltweit auf Gleichberechtigung, gesellschaftliche Teilhabe und wirtschaftliche Chancen von Frauen aufmerksam. Auch beim Thema Finanzen zeigt sich, dass Männer und Frauen in Deutschland noch längst nicht auf Augenhöhe stehen. Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes verdeutlichen das besonders beim Einkommen innerhalb von Paarhaushalten.
Warum verdienen Frauen oft weniger als Männer?
Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2025 in nur 9,9% der Paarhaushalte Frauen die Haupteinkommensbezieherinnen, verdienten also mehr als ihr Partner. Bei 34,3% der Paare lag das Einkommen etwa gleichauf. Es zeigt sich also deutlich, Frauen tragen seltener zum Großteil des gemeinsamen Haushaltseinkommens bei. Dem gegenüber stehen über 55% der Paare, bei denen das Haushaltseinkommen des Mannes mindestens 60% ausmachte. Die Zahlen stammen aus der europäischen Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC), die regelmäßig die finanzielle Situation von Haushalten untersucht.
Die Unterschiede beim Einkommen haben mehrere Gründe. Ein zentraler Faktor ist auch heute noch ihr Lebenslauf. Während fast jede zweite Frau (49%!) in Teilzeit arbeitet, betrifft das lediglich etwa 12% der Männer. Die Gründe dafür: Frauen unterbrechen ihre Karriere häufiger für Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen. Laut Statistischem Bundesamt arbeiten hingegen nur 8% der Väter nach Familiengründung in Teilzeit (Bei Müttern sind es etwa 68%), eine Veränderung der Arbeitszeit zugunsten von Care-Arbeit ist somit deutlich seltener zu beobachten.
Ein weiterer Grund, warum Frauen weniger verdienen, liegt häufig an den Branchen, in denen sie tätig sind. Sie arbeiten überwiegend in Büro- und Dienstleistungsjobs wie im Einzelhandel. Im Handwerk oder der Industrie sind sie stark unterrepräsentiert, nur ca. 10% der Erwerbstätigen in diesen Branchen sind Frauen.
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Wie lässt sich dieser Unterschied messen?
Das große Stichwort, wenn Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen diskutiert wird, ist der sogenannte Gender Pay Gap. Er bildet den Unterschied im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen und Männern ab. Dieser betrug im Jahr 2023 durchschnittlich 18%. Das bedeutet, dass Frauen 18% weniger verdienen als Männer.
Hierbei ist aber zu beachten: Der starke Unterschied kommt durch Unterschiede im Qualifikationsniveau, Branchenzugehörigkeit, Arbeitszeit und weiteren Faktoren zustande. Legt man den bereinigten Gender Pay Gap an, der die Unterschiede berücksichtigt, verdienen Frauen ungefähr sechs Prozent weniger als Männer.
Was bedeutet Teilzeitbeschäftigung für die finanzielle Zukunft von Frauen?
Dass Frauen öfter Teilzeit arbeiten, in schlechter bezahlten Branchen arbeiten sowie häufiger den sogenannten „Karriereknick“ erleben, führt dazu, dass eben nur 9,9% der Frauen Topverdienerin im Paarhaushalt sind. Doch auch langfristig hat dieses Paarmodell Konsequenzen:
Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung führt insbesondere die Familiengründung für Frauen dazu, dass sie den Rest ihres Arbeitslebens deutliche Einkommenseinbußen haben. Der Fachbegriff dazu lautet Gender Lifetime Earnings Gap. Im Laufe ihres Arbeitslebens verdienen Mütter zwischen 40 bis 45% weniger als ihre Partner. Das bedeutet einen Einkommensverlust von durchschnittlich 450.000 bis 670.000€. Dabei sind Kinder ein erwiesener Auslöser für die starke Differenz.
Die starken Unterschiede im Verdienst wirken sich in der Altersvorsorge aus und führen dazu, dass Frauen im Alter eine niedrigere Rente bekommen und deutlich häufiger armutsgefährdet sind als Männer.
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Internationaler Frauentag als Erinnerung an finanzielle Gleichstellung
Der Internationale Frauentag erinnert jedes Jahr daran, dass Gleichberechtigung nicht nur gesellschaftliche, sondern auch wirtschaftliche Aspekte hat.
Während Frauen immer stärker Chancengleichheit in der Arbeitswelt einfordern, bestehen gleichzeitig auch immer stärkere Bemühungen, Frauen finanziell zu stärken. Umso wichtiger ist es, dass Frauen sich früh mit ihren eigenen Finanzen beschäftigen. Dazu gehört ein eigenes Konto zu führen, Rücklagen aufzubauen und sich mit Themen wie Sparen, Investieren und Altersvorsorge auseinanderzusetzen. Schon kleine regelmäßige Sparbeträge können langfristig helfen, finanzielle Sicherheit aufzubauen. Die Sparkasse Vorpommern versucht mit der Initiative Female Finance Frauen aller Altersgruppen finanziell zu ermächtigen, und ihnen Selbstbewusstsein im Umgang mit den eigenen Finanzen zu geben.
Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für finanzielle Selbstbestimmung. Immer mehr Frauen beschäftigen sich aktiv mit ihren Finanzen und investieren in ihre Zukunft. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Gleichstellung.
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